Autor Thema: Erdgas als Brückentechnologie?  (Gelesen 239 mal)

Offline kardan

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Erdgas als Brückentechnologie?
« am: März 31, 2017, 11:23:19 »
Erdgas wird von Greenpeace über Exxon bis zur Bundesregierung seit Jahren als Brückentechnologie und saubere Alternative zu Kohle empfohlen. Die IAEA geht sogar davon aus dass Erdgas 2040 die zweit wichtigste Energiequelle sein wird.

Betrachtung unkontrollierter Methanemissionen belegen für Erdgas nun sogar eine höhere CO2-Bilanz als bei Kohle, dennoch wird die Mär vom sauberen Erdgas auch von Umweltverbänden allzuoft akzeptiert.

PRO

2009 Claudia Kemfert: Gerade weil Klimaschutz immer wichtiger wird, wächst in den nächsten Jahrzehnten die Bedeutung von Erdgas.

2010 Böhling/Fischedick
greenpeace: Erdgas ist die Brückentechnologie für Deutschland
https://www.greenpeace.de/presse/presseerkl%C3%A4rungen/erdgas-ist-die-brueckentechnologie-fuer-deutschland
https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/Studie_GP_Erdgas_Bruecke_ins_regenerative_Zeitalter_0.pdf
http://www.cleanenergy-project.de/erdgas-ist-die-wahre-bruckentechnologie/
http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/6665-erdgas-als-brueckentechnologie

2012 Winterhagen http://www.hanser-elibrary.com/doi/pdf/10.3139/9783446431072.014

2013 Neues vom dreckigen Fracking https://www.freitag.de/autoren/h-yuren/neues-vom-dreckigen-fracking
"kleine erdbeben und plemperei mit giftigen flüssigkeiten sind u.a. teil der technik."
"neuere messungen fanden heraus, dass bis zu 9% methan beim fracking entweichen. dieser effekt macht fracking klimaschädlich und untauglich
als brückentechnologie in der energiewende. trotzdem hält die us-regierung am fracking fest, wie übrigens auch die regierungen in
berlin und hannover. in niedersachsen wird seit jahren gefrackt.
schwarzgelb sind nicht nur die farben der warnung vor radioaktivität, sondern auch die farben, die hierzulande fracking gutheißen und gewähren lassen - auf kosten von anwohnern, von umwelt und, nun wissen wir auch das, auf kosten des klimas."

13. März 2017 süddeutsche "Ein neuer Weltmarkt", über LNG aus Fracking in den USA http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erdgas-ein-neuer-weltmarkt-1.3417198

20.03.2017 Merkels Rede, u.a. zum Klimawandel https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2017/03/2017-03-14-rede-vku.html
"Gas wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wir brauchen grundlastfähige Formen der Energieversorgung, wenn wir den Ausbau der erneuerbaren Energien voranbringen. Die Erdgasinfrastruktur ist in Deutschland ein wichtiger Baustein unserer diversifizierten Energieversorgung. Für mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland dient Erdgas zur Wärmeversorgung."

21.03.2017 Erdgas bleibt die kosteneffizienteste CO2-Vermeidungsoption für Wärme bis mindestens 2040. Klimaschutz durch Sektorenkopplung, 57 Seiten
http://www.enervis.de/images/stories/enervis/pdf/publikationen/gutachten/170321_enervis_Studie_Klimaschutz_durch_Sektorenkopplung.pdf

Auf twitter finden sich vor allem Propagandatexte der Erdgasindustrie. Eine Präsenz von guten Gegenargumenten könnte unsere Bewegung vermutlich enorm stärken. https://twitter.com/hashtag/Erdgas

CONTRA

BR über Brückentechnologie oder Sackgasse?
- 80 Prozent der noch unerschlossenen Erdgasfelder liegen unter meterdickem Eis, tief im Meer.
- "Die Firmen schüren bei der Politik und bei der Bevölkerung die Hoffnung, dass die Erschließung der Fracking-Gasfelder einen deutlichen Beitrag zur Erdgasförderung in Deutschland leisten kann. Diese Hoffnungen sind deutlich übertrieben. Man wird in ein paar Jahren enttäuscht feststellen, dass dem nicht so war. Man wird aber viel Zeit in diesen Weg gesteckt und damit andere Alternativen blockiert haben.", Werner Zittel, Physiker und Vorstand der Ludwig-Bölkow-Stiftung, Ottobrunn
- Weder die Speicherung noch die Förderung von Erdgas eröffnen Deutschland langfristige Zukunftsperspektiven.
- Fazit: Brücke nur mit Erneuerbaren, sonst Sackgasse

12. Dezember 2016 Bitte Ganzheitlichkeit!: "Wenn man den Blick auf die Treibhausgase insgesamt weitet, stellt man fest, dass Erdgas klimaschädlicher ist als Kohle." (Howard)
- Bei Gewinnung, Transport und Verarbeitung gelangen 1,7 bis 8 Prozent des Erdgases unverbrannt in die Atmosphäre wiwo
- Havarien wie des Gasspeichers in Kalifornien vom 23.10.2015 bis zum 29.02.2016 emittierten täglich mehr als 1 Million Kubikmeter
- Undichtigkeiten alter verschlossener Gasbohrungen schlagen jährlich mit ca. 20 Tonnen Austritt an ca. 3 Millionen alten, verlassenen Bohrlöchern in den USA zu Buche Kang PDF "0.27 kg/day/well"
- ca. 3,5 Prozent der weltweiten Erdgasförderung werden aus Kostengründen abgefackelt. Das sind 143 Milliarden Kubikmeter, wodurch 350 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden, was 10 Prozent der CO2-Emissionen aller EU-Staaten entspricht welt
- das Karlsruher Institut für Technik (KIT) führt seit 2007 wieder stark ansteigenden Methan-Konzentration in der Atmosphäre zu mindestens 40 Prozent auf die Zunahme der Erdgas- und Erdölproduktion auf der Nord-Halbkugel zurück. kit

12. Januar 2017 Erdgasförderung „für die Energiewende“?, Kommentar zur DBI-Studie vom 15. Dezember 2015
- DBI korrigiert EXERGIA-Studie nach unten und  bezieht die Emissionen auf die (größere) transportierte Menge anstatt auf die im Untersuchungsgebiet (Zentraleuropa) verbrauchte Erdgasmenge und rechnet mit Daten, die von der Erdgasindustrie zur Verfügung gestellt wurden.
- "Erwähnt sei noch, dass gefracktes Erdgas, das mit wesentlich höheren Emissionen verbunden ist, von der Untersuchung ausgeklammert bleibt, ebenso das LNG-Verfahren, bei dem 10 – 30% des Energiegehaltes des Erdgases für die Verflüssigung (bei ca. –163 Grad) benötigt werden und entsprechende Emissionen verursachen."
- "Bemerkenswert ist schließlich auch, dass die Studie bei Methan mit der 34fachen Klimawirkung von CO2 rechnet, welcher Wert sich nach ca. 100jähriger Verweildauer in der Atmosphäre einstellt, während in den ersten 20 Jahren die 85fache Klimawirkung von CO2 entfaltet wird. Und gerade die nächsten 20 Jahre sind von höchster Bedeutung, da sich in diesem Zeitfenster entscheidet, ob die Klimaerwärmung in die dann in keiner Weise mehr beeinflussbare Selbstverstärkung übergeht oder nicht."

20. März 2017 Laut einer Studie von Paul Shepson (Purdue University) ist der Methanausstoß bei der Erdgas-Förderung 20 bis 120 mal höher als bisher angenommen
- Hauptursache ist nicht Verbrennung, sondern unkontrollierte Freisetzung aus Kostengründen bei der Ölförderung und Havarien
- Ölraffinerien stoßen 11-90 mehr Gas aus als bisher bekannt
- Joseph Rudek vom Environmental Defense Fund fordert weitere Messungen, um die Emissionen bei der Ergasförderungen besser zu verstehen. Die von Unternehmen an die EPA gemeldeten Werte seien systematisch zu niedrig.
- Methan sei laut Shepson 37-fach potenter als Kohlendioxid (laut Environmental Protection Agency (EPA) mehr als 80-fach) und verbleibt 20 Jahre in der Atmosphäre (EPA)

31. März 2017 Trump hebt Grenzwerte der Methanfreisetzung auf, bereits übliche Verschwendung steigt damit noch stärker, obwohl Nutzung mit geringem technischen Aufwand profitabel wäre.
« Letzte Änderung: April 03, 2017, 11:16:03 von kardan »