Autor Thema: Dampffluten und Fracking  (Gelesen 789 mal)

Offline Carin

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Dampffluten und Fracking
« am: Juli 30, 2014, 06:14:15 »
Im Zusammenhang mit ExMobs Projekt im Rühlermoor bei Meppen, Emsland, tauchte gestern die Frage auf, ob dort Fracking geplant sei.

Laut Unternehmen solle "nur" Wasserdampf (ohne Chemikalien) in den Untergrund gedrückt werden, um das zähflüssige Öl dort aus dem Gestein zu lösen. Was dieses Dampffluten genannte Verfahren genau beinhaltet, sagt ExMob nicht. Nicht in der öffentlichen Info-Veranstaltung am 22.07.14 in Twist und auch nicht in dieser Hochglanzbroschüre:
Tertiäre Gewinnverfahren
Die so genannten tertiären Gewinnungsverfahren ermöglichen es, den Nutzungsgrad von Erdöllagerstätten auf ca. 45 Prozent zu erhöhen. Oft ist es die Zähflüssigkeit oder Viskosität, die das Erdöl im Speichergestein zurückhält und seine Bewegung im Porenraum behindert. Darum werden bei ExxonMobil vor allem thermische Verfahren angewandt. Durch das Einpressen von heißem Wasser und Dampf wird die Viskosität des Öls verringert und somit der Fluss erhöht.


Bei Wintershall, die ebenfalls im Emsland Öllagerstätten mit Dampf fluten, geht's etwas genauer:Dampffluten („Steam Flooding“). Dabei pressen die Förder-Experten 300 Grad heißen Wasserdampf mit einem Druck von 100 bar in die Lagerstätte. Das zähe Öl erwärmt sich, wird dünnflüssiger und lässt sich leichter fördern.

Dampffluten gehört zu den sog. Tertiären Gewinnungstechniken: Wikipedia.

Es gibt offenbar unterschiedliche Verfahren des Dampfflutens. Hier z. B. Zyklisches Dampffluten (Cyclic steam stimulation method with multiple fractures; Patent Number 08025101, Shell, Patent 2011 erteilt).
Bei diesem Verfahren ist beabsichtigt, das Gestein der Lagerstätte zu frakturieren: injecting steam into the well and disk-shaped cavities at such an elevated pressure that the hydraulic pressure in at least one disk-shaped cavity is above the formation fracturing pressure, thereby fracturing the formation and permitting the steam to invade the formation surrounding the fracture and to heat hydrocarbons in the steam invaded zone;
« Letzte Änderung: Juli 30, 2014, 17:14:35 von Carin »

Offline Tim

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Re: Dampffluten und Fracking
« Antwort #1 am: Juli 30, 2014, 10:56:41 »
Bei 100 °C wäre die Temperatur sogar ein wenig höher.
Wie viel Dampf benötigt wird weiß ich nicht. Die benötigte Energiemenge (z.B. über einen Gasbefeuerten oder Ölbefeuerten Kessel) habe ich beispielhaft für 10 t/h Dampfbedarf errechnet.

Sattdampfdruck   100   bar   Annahme
Sattdampftemperatur   311   °C   
Enthalpie   2726   kJ/kg   
   0,76   MWh/t Dampf   
         
Annahme Dampfbedarf   10   t/h   Annahme
Leistung im Dampf   7,6   MW   
         
Kondensatrückfluss   0   MW   Annahme
Kesselwirkungsgrad   90   %   Annahme
Brennstoffwärmeleistung   8,4   MW   

Heizwert Heizöl El (Brennstoff)   10   MWh/m³
Heizöl El (Brennstoff)   841   m³/h

...ich vermute mal das der Öl/Gasbedarf zur Dampferzeugung bzgl. der geförderten Ölmenge eher vernachlässigbar ist ... wäre aber mal interessant dies zu prüfen.
Zur Erzeugung von 10 t/h Dampf würde z.B. ein Energiebedarf von etwa 840 m³/h Heizöl benötigt.
Frage: wie viel Öl ließe sich mit den eingesetzten 840 m³/h fördern?
« Letzte Änderung: Juli 30, 2014, 15:20:58 von Tim »

Offline Jeffrey

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Re: Dampffluten und Fracking
« Antwort #2 am: Juli 30, 2014, 13:04:04 »
Kurzfristig betrachtet kann der genaue Energiebedarf von technischem Interesse sein. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ein Unternehmen auf die Technik im eigenen Anlagenpark zurückgreifen wird. Diese wird auf einen wirtschaftlichen Betrieb unter den Marktbedingungen von vor einem Jahrzehnt ausgelegt worden sein, als damals der Erdölpreis bei $70/bbl lag. Alle mir vertrauten Studien unten den Begriffen EOR und Undeveloped Domestic Oil Resources stammen aus dieser Zeit. Beim heutigen Marktpreis von über $100 liegt das bedeutendste Hemmnis der Gegenwart in der Vielzahl von alternativen Verfahren zur Marktbedarfsdeckung, darunter alle Schieferölverfahren. Bis das Fracking aufgekommen war, suchte man in den USA nach Altbohrfeldern, die mit EOR gewinnbringend wiederbelebt werden konnten. Hierzu war eine CO2-Pipeline von Indiana in den Süden geplant. Bei allen heute bereits erschlossenen Erdölfeldern ist die CO2-Option nicht mehr vordergründig, weil die Pipelines mit Ausnahme einer Strecke von Texas nach Mississippi sowie Wyoming, Saskatchewan und Großbritannien nicht erweitert werden. EOR verlagert sich deshalb inzwischen auf andere Verfahren zur Förderung von viskosen Erdölsorten, die sich mit Dampf oder auch mit Sauerstoff realisieren lassen. Die damit verbundene Spekulation scheint berechtigt zu sein, dass der Erdölpreis in Zukunft weiter steigen wird. Das Ausmaß von potentiell neu zu erschließenden Erdölfeldern ist ernorm groß, weil durch diese Verfahren eine bislang unzureichend ergiebige Formation schließlich doch gewinnbringend betrieben werden kann.

Offline Carin

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Re: Dampffluten und Fracking
« Antwort #3 am: Juli 30, 2014, 17:14:13 »
Exxon erwähnt in der Projektbeschreibung eine "hochmoderne Kraft-Wärme-gekoppelte Energieerzeugung", die mit Erdgas betrieben werden soll.

Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass das benötigte Erdgas aufbereitetes Erdölbegleitgas sei, das ohnehin mitgefördert würde. Vielleicht finde ich die Stelle wieder.

Bei der Info-VA in Twist am 22. Juli sagte der Exxon-Referent, Dr. von Bose, "aus 200 m3/h Kesselspeisewasser wird Dampf erzeugt".

Der Energieeinsatz zur Dampferzeugung plus dem Material- und Energieeinsatz für Infrastruktur und Logistik und die dazugehörige Kostenrechnung würde mich auch mal interessieren. Geht das so in Richtung Fracking, von dem ja auch vermutet werden kann, dass es eine Art Abschreibungsobjekt sein könnte?

Wie heiß der Dampf sein soll und mit welchem Druck er in den Untergrund gebracht werden soll, wäre auch mal interessant zu wissen.

Und wie es sicher ausgeschlossen werden soll, dass keine neue Wildkatze im Emsland herumspringt, würd ich auch gern wissen. So durchlöchert, wie die Landschaft (mit Naturschutzgebiet!!! wie geht das denn überhaupt???) da schon ist (s. Anhang).
« Letzte Änderung: Juli 30, 2014, 17:34:09 von Carin »